Schöner Sterben

Samstag Mittag. Stehe im Bahnhof. Ein Blick auf die Uhr verrät, ich habe noch gut eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des Zuges. Was tun? Durch die Fußgängerzone bummeln, Schaufenster gucken? Langweilig, machte ich erst gestern, bei meiner Ankunft. Eigentlich brauche ich ohnehin nichts. Entscheide mich, ein wenig in der Buchhandlung zu stöbern. Vielleicht inspiriert mich ja irgendein Titel. Lesen geht immer.

Zunächst fällt mir auf, der Laden wird seinem Namen kaum gerecht. Bücher? Mangelware. Wohin ich blicke, Zeitschriften. Entlang der Wände, in der Mitte, vor der Kasse – überall Zeitschriften. Hochglanzcover, klischeehafte Titelbilder, effekthascherische Schlagworte. Aber egal, auch Lektüre. Gegen den Uhrzeigersinn lasse ich das Auge schweifen. Zur besseren Orientierung sind über den Gondeln mit dem Blattwerk Genres ausgeschildert. Ich beginne bei Life-Style. Der neue Playboy Weiterlesen „Schöner Sterben“

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Schlaglöcher im Paradies

Neulich, mit dem Liegedreirad unterwegs auf Island …

Eine weitere Erfahrung auf der Schotterpiste sind meine motorisierten Mitmenschen. Bereits von weitem kündigen sie sich an. Nicht hörbar, sichtbar. Im Rückspiegel wie vor mir. Was sie verrät ist die lange Staubschleppe, die sie hinter sich her ziehen. Entsprechend ihres Verhaltens fallen sie bei mir in eine von drei Kategorien.
Da gibt es zum Einen die rücksichtsvollen Fahrer. Rechtzeitig vor Weiterlesen „Schlaglöcher im Paradies“

alle Jahre wieder – good vibes version

Erster Advent. Nach den schwermütigen Gedanken im letzten Beitrag passend zum Tag, die erste Kerze zu entzünden, diesmal Erhellenders – der zuletzt in Mitleidenschaft gezogene WDR macht es möglich.

Während die holde Gattin im Kreise ihrer Freundinnen dem zur Tradition gewordenen verlängerten Wellness Wochenende frönt, beginnt mein Tag besinnlich. Weiterlesen „alle Jahre wieder – good vibes version“

alle Jahre wieder

Samstag, 19.11.2016. Noch etwa zwei Stunden, dann ist Totensonntag. Sitze zusammen mit meiner Frau im Auto. A3. Frankfurt – Köln. In Anbetracht der vorgerückten Stunde ist nicht mehr viel los auf der Piste. Hit Radio FFH dudelte eine ganze Stunde einstige Chartbreaker rauf und runter, die WDR 2 Playlist vermag meinen Musikgeschmack leider ebenso wenig zu treffen.

Zwischen zwei Titeln will es der Moderator wissen.

„Wie bereitet ihr euch auf Weihnachten vor? Ruft uns an …“ Weiterlesen „alle Jahre wieder“

Pling

Pling – Du hast eine neue Nachricht. Macht es nicht all zu häufig „Pling“, ist es ja ganz nett. Fünfzigmal Pling ist blöd, aber gelegentlich ist es ja schon schön zu sehen – hey, da gibt es jemanden, der an dich denkt.

Diesmal ist es eine ganz besondere Nachricht. Nichts persönliches, niemand, der mich kennt, aber dennoch – eine Mitteilung, die das Potential hat, mein Leben auf den Kopf zu stellen. Weiterlesen „Pling“

Arbeit 4.0

Die ARD fragt diese Woche (30. Oktober bis 5. November 2016), wie es um die Zukunft der Arbeit bestellt ist, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales regte bereits im April letzten Jahres den „Dialogprozess Arbeiten 4.0“ an, der bis Ende 2016 ausdiskutiert sein soll, und für mich ist es ebenfalls ein Thema: wie will ich Weiterlesen „Arbeit 4.0“

Gefühlte Zeit

Albert Einstein hat es bereits gesagt, da darf Pruedi nicht hinterher hinken:

Zeit ist relativ!

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Bleibt zu hinterfragen: wie lange hält man es mit einem Mädchen auf einem heißen Ofen aus? Bevor jetzt aufreizende Spindfotos vor dem geistigen Auge reifen – ich behaupte mal, Einsteins Ofen hatte keine Räder.
Aber gut, das ist an sich gar nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Die weisen Worte sollten lediglich helfen, das Bewusstsein für das mir am Herzen liegende Thema zu sensibilisieren.

Worum es mir geht ist folgendes:

Stell dir vor, du hast Urlaub.

Vier Wochen.

Das ist nicht nur ein guter Anfang, das macht auch das Rechnen leicht.

Stell dir vor, du fühlst dich wohl, in dieser Zeit.
Erlebst unbekümmerte Tage, tust, was dir Spaß macht, musst kaum oder bestenfalls keinen Verpflichtungen nachkommen.

Rein mathematisch ist nach zwei Wochen die Hälfte der Zeit vorbei. Das Dilemma zu diesem Zeitpunkt ist jedoch: die verbleibende Zeit ist kürzer als die zurück liegende. Relativ gesehen. Ist also empfunden gar keine Hälfte mehr. Und das letzte Viertel erst – noch viel kürzer als alle voran gegangenen! Jeder Wochentag wird nur noch einmal erlebt, ist plötzlich der letzte seiner Art im Urlaub. Dir wird klar: das Ende rückt näher. Unaufhaltsam.

Kein schöner Gedanke!

Man hat sich gerade so langsam an das Lotterleben gewöhnt, da soll es das auch schon wieder gewesen sein. Vor allem aber, so absehbar. Unabwendbar. Du kannst nichts dagegen tun. Spürst diese Hilflosigkeit. Es ist, als fährst du auf eine Wand zu – ohne Bremse, ohne eine Möglichkeit, auszusteigen oder abzuspringen. Grausam. Brutal. Aber so richtig …

Die sich ableitende Frage kann also nur sein: würde eine nicht lineare Maßeinheit für die Zeit die Situation erträglicher machen? Ich nenne die Messgröße einfach mal eine Weile, um keine Gedanken an ein neues Kunstwort zu verschwenden. Eine Weile, die keine rationale Dauer ist, sondern eine emotionale. Wann wäre dann die Hälfte des Urlaubs erreicht? Liegt eine halbe Weile im konkreten Fall vor oder nach dem Ende der zweiten Woche? Logisch gesehen müsste es davor sein, vielleicht schon nach Ablauf der ersten Woche? Aber was gewinnt man damit? Nicht, dass die schönste Zeit des Jahres dadurch noch mehr schrumpft.
Doch besser alles lassen, wie es ist? Oder nur noch Kurzurlaube machen? Ich meine – vier Wochen, das ist eine lange Zeit, wenn dich letzten Endes solche Gedanken paralysieren.
Oder macht man es wie Einstein? Sucht sich sein Mädchen. Und seinen Ofen. Setzt sich hin, schaut auf die Uhr, und klopft am Ende weise Sprüche?
Schwierig, schwierig – zumindest relativ …