Schlaglöcher im Paradies

Neulich, mit dem Liegedreirad unterwegs auf Island …

Eine weitere Erfahrung auf der Schotterpiste sind meine motorisierten Mitmenschen. Bereits von weitem kündigen sie sich an. Nicht hörbar, sichtbar. Im Rückspiegel wie vor mir. Was sie verrät ist die lange Staubschleppe, die sie hinter sich her ziehen. Entsprechend ihres Verhaltens fallen sie bei mir in eine von drei Kategorien.
Da gibt es zum Einen die rücksichtsvollen Fahrer. Rechtzeitig vor beziehungsweise hinter mir bremsen sie ab, passieren mich langsam, grüßen häufig genug freundlich und beschleunigen erst wieder, wenn ich ausreichend weit entfernt bin, was mich in den Genuss bringt, nicht in Staub eingehüllt zu werden. Dass ich mich freundlich dafür bedanke? Selbstredend.
Anders die rücksichtslosen Fahrer. Sie ziehen mit unverminderter Geschwindigkeit an mir vorbei. Ob sie meine erhobene Hand und zusammen gepresste Lippen wie Augen als Gruß missinterpretieren? Mir egal – mein Bestreben ist es lediglich, nicht mehr Staub als nötig zu schlucken und die Pupillen davon frei zu halten.
Bleiben die Vertreter der dritten Klasse. Ihr Fahrverhalten entspricht dem der rücksichtslosen Fahrer. Sind sie jedoch auf meiner Höhe, winken sie mir freudig zu und lächeln mich an. Ich kann nur mutmaßen, dass sie sich ihres Tuns nicht bewusst sind. Dass sie meine Schutzgeste falsch verstehen, dessen bin ich mir sicher. In meinem Sprachschatz findet sich für diese Spezies nur ein Wort. Es klingt hart, ist wahrscheinlich unangemessen, beschreibt sie aber trefflich : Idioten.

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Autor: Pruedi

Baujahr 1963, männlich, verheiratet, Informatiker

6 Kommentare zu „Schlaglöcher im Paradies“

    1. Als ich Ende Mai letzten Jahres im Osten der Insel startete, wo die Fähre mich ausspuckte, traf ich anfangs nicht mehr als einen Gleichgesinnten täglich. Im weiteren Verlauf der achtwöchigen Reise wurden es zusehends mehr, so dass man es auch schon mal beim Gruß im Vorüberfahren beließ.
      Bzgl. Radfahrer auf speziell auf Schotterpisten: ja, auch immer wieder anzutreffen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, der Fahrbahnuntergrund trennte die, die es bei einer Runde über die Ringstraße beließen von denen, die mehr erleben wollten.
      Auf einen anderen Liegedreiradler traf ich hingegen weder auf Asphalt noch auf staubiger Piste.

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    1. Danke, freue mich, Dein Lob zu lesen.
      Bzgl. der Länge: ja richtig, ist auch nur ein kurzer Auszug einer Überarbeitung, an der ich gerade sitze. Werde wahrscheinlich in unregelmäßigen Abständen andere Anekdoten an dieser Stelle folgen lassen.
      Andere Fotos gibt es dort, wo auch weitere auf der Reise festgehaltene „Notizen“ zu finden sind – gib in der Suchmaschine Deiner Wahl „köln formentera liegedreirad“ ein, und Du solltest fündig werden.
      Schön ruhig? In der Tat – war ein ebenso intensives wie recht beeindruckendes Abenteuer. Und der Staub? Gehörte irgendwie mit dazu 😉

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      1. Sehr beeindruckend, das sind ja eine Menge von Reiseberichte. Ich hätte niemals die Disziplin so viel herumzufahren, und dann noch so regelmäßig zu schreiben 😉
        Das Bild von der versunkenen Kirche geht mir nicht aus dem Kopf. Der Reschensee soso 🙂

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