Pling

Pling – Du hast eine neue Nachricht. Macht es nicht all zu häufig „Pling“, ist es ja ganz nett. Fünfzigmal Pling ist blöd, aber gelegentlich ist es ja schon schön zu sehen – hey, da gibt es jemanden, der an dich denkt.

Diesmal ist es eine ganz besondere Nachricht. Nichts persönliches, niemand, der mich kennt, aber dennoch – eine Mitteilung, die das Potential hat, mein Leben auf den Kopf zu stellen.

Sie haben gewonnen!

Wahnsinn. Überfliege den Text. Mittendrin, unübersehbar, ein achtstelliger Betrag. Acht Stellen. Vor dem Komma. Selbst die Währung schmälert den Wert nicht. Euro. Unglaublich. Es ist eine Lotterie die mich wissen lässt: mein Los ist gezogen worden. Ich bin der Auserwählte.

Das ich ein Glückspilz bin, ja, das weiß ich. Durfte diesen Sommer schließlich acht Wochen auf Island verbringen. Und damit nicht genug – ich wurde lediglich einmal innerhalb weniger Augenblicke nass bis auf die Knochen und musste nur einen Tag halb erfrieren. Gut, dafür konnte ich mir von Wiederholungstätern anhören, ich hätte das Land nicht richtig kennen gelernt, doch damit ließ es sich leben. Unter knatscheblauem Himmel vor einem Wasserfall morgens das Zelt aufzuziehen, von der Sonne gewärmt im Sitz des Liegerades das Müsli zum Frühstück wegzulöffeln und einfach nur das Sein zu genießen, da beschwert man sich nicht lange darüber, nicht hinsichtlich typischer Wetterkapriolen mitreden zu können. Hat mich zwar den Job gekostet, mir seither einen Einkommensausfall beschert, war aber schließlich selbst gewähltes Schicksal und mir die Sache wert. Bislang.

Und nun das. Jackpot geknackt. 18 Millionen. Und noch mehr. Unfassbar. Nie wieder für Geld knechten müssen. Gestern noch darüber nachgedacht, gegebenenfalls das Urlaubsdomizil auf den Balearen zu veräußern, und auf einmal, von jetzt auf gleich, finanzielle Unabhängigkeit. Minimalismus ade. Leben auf der Überholspur. Muss ich mich erstmal hinsetzen. Hinsetzen und verdauen. Und Teilen. Man ist schließlich Blogger, in sozialen Medien aktiv und es nicht all zu häufig, solche Situationen.

Oder doch?

Ich meine, wenn ich ihn durchwühle, den elektronischen Papierkorb, dann finde ich sie fast täglich, diese Schreiben. Oder ähnliche, neben denen, die Adresslisten, Versicherungen, Potenzmittel, heißen Sex und weiß-der-Schinder-was an den Mann bringen wollen. Lediglich die Penisverlängerer haben es derzeit nicht nötig, die Posteingänge zu penetrieren. Vielleicht nicht mehr modern. Oder zu viel zu tun. Oder zu viele negative Schlagzeilen. Männer, die über ihr Genital gestolpert sind, Vertreterinnen des anderen Geschlechts, die einfach erschlagen wurden von soviel – na ja, lassen wir das. Führt in die falsche Richtung. Aber Verwandte, die verstorben sind und mich mit Unsummen begünstigten, Mr. Chong, dem es immer wieder ein Bedürfnis ist, mich angeblich für die Eröffnung eines Kontos in Deutschland an seinem unermesslichen Reichtum teilhaben zu lassen sowie diese spanische Lotterie, bei der ich nie ein Los gekauft habe – von denen stapeln sich die E-Mails. Ist wohl der Preis, wenn man seine Adresse mit @ in der Mitte frei zugänglich im Netz hat. Aber egal, zeigt zum einen, wird gelesen, die Seite (wenn auch vielleicht nur von den Falschen) und: man hat etwas, worüber man sich Gedanken machen kann. Oder schreiben. Oder träumen. Und demnächst lest ihr dann, wie ich es aus eigener Kraft geschafft habe, mir über Geld keine Gedanken mehr machen zu müssen. Oder es zumindest versuchte. Oder auch nicht. Man wird sehen. Vielleicht. Zunächst einmal ist aber etwas anderes an der Reihe. Pling …

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Autor: Pruedi

Baujahr 1963, männlich, verheiratet, Informatiker

2 Kommentare zu „Pling“

  1. Bezüglich der Grübeleien um Geld hätte ich tatsächlich noch einige Wochenendseminare nötig, also nur zu 🙂
    Die Spammails von heute sind auch nicht mehr dieselben – teilweise lieblos mit Google Übersetzer zusammengeklatscht.

    Freundliche Grüße, Jim

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jim,
      bin absolut bei dir hinsichtlich der Einfältigkeit dessen, was einem da in den elektronischen Briefkasten flattert. Manchmal schaue ich tatsächlich rein und amüsiere mich dann über Zeilen wie z.B. diese:

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      Haben Sie daran gedacht, ein legitimes Darlehen Anbieter, wo Sie möchten nach vielen Dividenden zu reinvestieren?

      Wir gewähren Darlehen im Bereich von 5.000,00 Euro bis 20.000.000,00 Euro zu 4% Zinssatz. Unsere Kredite sind gut versichert für maximale Sicherheit ist unsere Priorität.

      Fühlen Sie sich frei, mit uns über eMail in Verbindung zu treten, wenn interessiert: (eine E-Mail Adresse)

      Die angebliche Absender Adresse unterscheidet sich übrigens von der angegebenen Kontaktadresse 😉
      Es grüßt zurück
      Dirk

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