Arbeit 4.0

Die ARD fragt diese Woche (30. Oktober bis 5. November 2016), wie es um die Zukunft der Arbeit bestellt ist, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales regte bereits im April letzten Jahres den „Dialogprozess Arbeiten 4.0“ an, der bis Ende 2016 ausdiskutiert sein soll, und für mich ist es ebenfalls ein Thema: wie will ich mich in nächster Zeit sponsern lassen? Will ich das überhaupt? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Vom „Job Futuromaten“ der ARD, einer Internetseite, in der man seinen Beruf eingibt und ausgerechnet erhält, wieviel Prozent der Tätigkeiten schon heute eine Maschinen übernehmen könnte, erfahre ich, dass es in meinem Fall, für Softwareentwickler, 11 % sind. Toll. Der Rechner von morgen programmiert sich selbst. Auch nicht schlecht. Ist man also in meiner Branche auf dem Weg, sich selbst weg zu rationalisieren. Glückwunsch – mit Bravour am eigenen Ast gesägt! Eins, setzen. Zum Beispiel zu den Damen der Telefonvermittlung, die bereits meine Vorgänger um ihren Job brachten oder zu all den anderen, die auch nicht mehr benötigt werden. Rauf auf die Couch, vom Haushaltsrobbi bedienen lassen und Teleshoppen, bis der Arzt kommt. Das ist doch ’ne Perspektive. Wobei, haut ja auch nicht hin. Hab ja dann gar kein Geld mehr, das ich ausgeben könnte.

Nee, mal ernst – wohin geht die Entwicklung? In meinem Fachgebiet. Wo ich mich auskenne. So halbwegs.

Als Softwareentwickler bin ich Schreibtischtäter und Denker. Ist es in diesem Metier wirklich noch zeitgemäß, sich morgens durch den Berufsverkehr zu quälen, am Abend die gleiche Prozedur zu wiederholen, nur um zwischenzeitlich seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und diese per Tastatur zu digitalisieren? Ich glaube nicht. Wobei ich es nicht nur nicht glaube, sondern sogar besser weiß. Jahrelang erfolgreich anders praktiziert. Irgendwie kann ich mich dem Eindruck jedoch nicht entziehen, dass sich dieser Gedanke noch nicht so richtig flächendeckend etabliert hat. Denke ich besser oder schneller, wenn mir ein Chef dabei über die Schulter schauen kann? Wohl kaum. Klar, eine technische Infrastruktur ist erforderlich, um geschäftliche Daten dort abzulegen, wo sie hin gehören oder um auch im Team mit Kollegen zusammen zu arbeiten, aber hey, wir schreiben das Jahr 2016. Telefon, Internet und vieles mehr sind erfunden, es lassen sich Daten einigermaßen sicher durch virtuelle Netze jagen, Desktopsharing sowie Konferenzen sind keine Visionen mehr und es geht schon lange nicht mehr darum, nur Tätigkeiten auszuführen, sondern Ziele zu erreichen.

Ein weiterer Punkt ist die Arbeitszeit. Auch hier gilt: logisch, wenn es gemeinsam etwas zu besprechen gilt, dann müssen sich alle Beteiligten zumindest zeitlich an einen Tisch setzen. Aber wie häufig ist das erforderlich? Und ist es nicht effizienter, mehr Halbtagsstellen anzubieten als Zeiten zu vergüten, in denen Körper und Geist Entspannung oder Abwechselung suchen. Inspiration lässt sich nicht erzwingen, sondern verlangt Ablenkung.

Zu guter Letzt und nicht ganz unwichtig fällt mir ein: wie sieht es aus mit der Vergütung? Soll man von dem, was man leistet, leben können? Ich meine, wir befinden uns nicht nur im Digitalzeitalter, sondern auch in dem des nahezu grenzenlosen Konsumierens. Ohne Kohle kein Kaufen. Oder ist es auch hier an der Zeit, umzudenken, mit weniger auszukommen, andere Werte anzuerkennen, sich zurückzubesinnen? So mehr unter dem Motto: leben wir, um zu arbeiten, oder ist es vielleicht doch anders herum erstrebenswerter? Eine Frage, die Hermann Hesse mit seiner Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral bereits zum Tag der Arbeit aufgeworfen hatte. Aber das war ja bereits im Jahr meiner Geburt. 1963. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor dem Zeitpunkt zu dem man sich fragt, wie es in Zukunft um die Arbeit bestellt sein soll.

Ach ja! Sollte jemand einen Softwareentwickler suchen, in Teilzeit, von Zuhause aus werkelnd, für angemessenes Entgelt – ich wüsste da einen …

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Autor: Pruedi

Baujahr 1963, männlich, verheiratet, Informatiker

2 Kommentare zu „Arbeit 4.0“

  1. Nun ich hatte vergangene Woche eine Führungskraft eines KMU´s mitte vierzig zum Coaching. Mein Beratungsauftrag war eine Standortbestimmung und Strategieberatung seiner derzeitigen Lage im Bezug sich künftig auf neue innovative Geschäftsfelder neu zu positionieren.

    Dabei war auch die Frage, sich mittels eines Headhunters anderen Unternehmen zu öffnen.
    Quintessenz bisher war nun eine ganz andere Frage des Klienten:

    „Soll ich mich auf das bewerben, was von mir erwartet wird, oder auf das, was mich glücklich macht?“

    Auch hier stellt sich die Frage, wo geht die Entwicklung hin? Meine persönlichen Werte und Ideale unterdrücken, nur noch zu funktionieren und dem System brav folgen, sich seine Emotionen abzutrainieren um mit 50 oder 60 Jahren feststellen – ich habe nicht gelebt und mich hinter einer Maske versteckt… Meine Familie, meine Freunde und Hobby´s schlicht vergessen. Oder persönlich zu entschleunigen inne zu halten und einfach leben.
    Mal sehen wo die weiteren Überlegungen hingehen…

    bis dahin

    Nando

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    1. Nando, vielen Dank für deinen Kommentar!
      Hättest du nicht geschrieben „Führungskraft eines KMU´s“, mitte vierzig, ich hätte mich fast ertappt gefühlt 😉
      Bin auch gespannt, in welche Richtung das Thema „Arbeit“ sich weiterentwickelt, ist aber ja auch nur eines von vielen und sicherlich von diversen anderen abhängig. Denke da so an politische und wirtschaftliche Entwicklungen, will aber auch ökologische Aspekte nicht außen vor lassen. Noch scheint aber kein Umdenken auf breiter Front stattgefunden zu haben. Letztendlich ist es jedoch meine Überzeugung: wir haben es, steht man nicht direkt mit dem Rücken an der Wand, selbst in der Hand!

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