Gefühlte Zeit

Albert Einstein hat es bereits gesagt, da darf Pruedi nicht hinterher hinken:

Zeit ist relativ!

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Bleibt zu hinterfragen: wie lange hält man es mit einem Mädchen auf einem heißen Ofen aus? Bevor jetzt aufreizende Spindfotos vor dem geistigen Auge reifen – ich behaupte mal, Einsteins Ofen hatte keine Räder.
Aber gut, das ist an sich gar nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Die weisen Worte sollten lediglich helfen, das Bewusstsein für das mir am Herzen liegende Thema zu sensibilisieren.

Worum es mir geht ist folgendes:

Stell dir vor, du hast Urlaub.

Vier Wochen.

Das ist nicht nur ein guter Anfang, das macht auch das Rechnen leicht.

Stell dir vor, du fühlst dich wohl, in dieser Zeit.
Erlebst unbekümmerte Tage, tust, was dir Spaß macht, musst kaum oder bestenfalls keinen Verpflichtungen nachkommen.

Rein mathematisch ist nach zwei Wochen die Hälfte der Zeit vorbei. Das Dilemma zu diesem Zeitpunkt ist jedoch: die verbleibende Zeit ist kürzer als die zurück liegende. Relativ gesehen. Ist also empfunden gar keine Hälfte mehr. Und das letzte Viertel erst – noch viel kürzer als alle voran gegangenen! Jeder Wochentag wird nur noch einmal erlebt, ist plötzlich der letzte seiner Art im Urlaub. Dir wird klar: das Ende rückt näher. Unaufhaltsam.

Kein schöner Gedanke!

Man hat sich gerade so langsam an das Lotterleben gewöhnt, da soll es das auch schon wieder gewesen sein. Vor allem aber, so absehbar. Unabwendbar. Du kannst nichts dagegen tun. Spürst diese Hilflosigkeit. Es ist, als fährst du auf eine Wand zu – ohne Bremse, ohne eine Möglichkeit, auszusteigen oder abzuspringen. Grausam. Brutal. Aber so richtig …

Die sich ableitende Frage kann also nur sein: würde eine nicht lineare Maßeinheit für die Zeit die Situation erträglicher machen? Ich nenne die Messgröße einfach mal eine Weile, um keine Gedanken an ein neues Kunstwort zu verschwenden. Eine Weile, die keine rationale Dauer ist, sondern eine emotionale. Wann wäre dann die Hälfte des Urlaubs erreicht? Liegt eine halbe Weile im konkreten Fall vor oder nach dem Ende der zweiten Woche? Logisch gesehen müsste es davor sein, vielleicht schon nach Ablauf der ersten Woche? Aber was gewinnt man damit? Nicht, dass die schönste Zeit des Jahres dadurch noch mehr schrumpft.
Doch besser alles lassen, wie es ist? Oder nur noch Kurzurlaube machen? Ich meine – vier Wochen, das ist eine lange Zeit, wenn dich letzten Endes solche Gedanken paralysieren.
Oder macht man es wie Einstein? Sucht sich sein Mädchen. Und seinen Ofen. Setzt sich hin, schaut auf die Uhr, und klopft am Ende weise Sprüche?
Schwierig, schwierig – zumindest relativ …

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