Schlaglöcher im Paradies

Neulich, mit dem Liegedreirad unterwegs auf Island …

Eine weitere Erfahrung auf der Schotterpiste sind meine motorisierten Mitmenschen. Bereits von weitem kündigen sie sich an. Nicht hörbar, sichtbar. Im Rückspiegel wie vor mir. Was sie verrät ist die lange Staubschleppe, die sie hinter sich her ziehen. Entsprechend ihres Verhaltens fallen sie bei mir in eine von drei Kategorien.
Da gibt es zum Einen die rücksichtsvollen Fahrer. Rechtzeitig vor Weiterlesen „Schlaglöcher im Paradies“

alle Jahre wieder – good vibes version

Erster Advent. Nach den schwermütigen Gedanken im letzten Beitrag passend zum Tag, die erste Kerze zu entzünden, diesmal Erhellenders – der zuletzt in Mitleidenschaft gezogene WDR macht es möglich.

Während die holde Gattin im Kreise ihrer Freundinnen dem zur Tradition gewordenen verlängerten Wellness Wochenende frönt, beginnt mein Tag besinnlich. Weiterlesen „alle Jahre wieder – good vibes version“

alle Jahre wieder

Samstag, 19.11.2016. Noch etwa zwei Stunden, dann ist Totensonntag. Sitze zusammen mit meiner Frau im Auto. A3. Frankfurt – Köln. In Anbetracht der vorgerückten Stunde ist nicht mehr viel los auf der Piste. Hit Radio FFH dudelte eine ganze Stunde einstige Chartbreaker rauf und runter, die WDR 2 Playlist vermag meinen Musikgeschmack leider ebenso wenig zu treffen.

Zwischen zwei Titeln will es der Moderator wissen.

„Wie bereitet ihr euch auf Weihnachten vor? Ruft uns an …“ Weiterlesen „alle Jahre wieder“

Pling

Pling – Du hast eine neue Nachricht. Macht es nicht all zu häufig „Pling“, ist es ja ganz nett. Fünfzigmal Pling ist blöd, aber gelegentlich ist es ja schon schön zu sehen – hey, da gibt es jemanden, der an dich denkt.

Diesmal ist es eine ganz besondere Nachricht. Nichts persönliches, niemand, der mich kennt, aber dennoch – eine Mitteilung, die das Potential hat, mein Leben auf den Kopf zu stellen. Weiterlesen „Pling“

Arbeit 4.0

Die ARD fragt diese Woche (30. Oktober bis 5. November 2016), wie es um die Zukunft der Arbeit bestellt ist, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales regte bereits im April letzten Jahres den „Dialogprozess Arbeiten 4.0“ an, der bis Ende 2016 ausdiskutiert sein soll, und für mich ist es ebenfalls ein Thema: wie will ich Weiterlesen „Arbeit 4.0“

Gefühlte Zeit

Albert Einstein hat es bereits gesagt, da darf Pruedi nicht hinterher hinken:

Zeit ist relativ!

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Bleibt zu hinterfragen: wie lange hält man es mit einem Mädchen auf einem heißen Ofen aus? Bevor jetzt aufreizende Spindfotos vor dem geistigen Auge reifen – ich behaupte mal, Einsteins Ofen hatte keine Räder.
Aber gut, das ist an sich gar nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Die weisen Worte sollten lediglich helfen, das Bewusstsein für das mir am Herzen liegende Thema zu sensibilisieren.

Worum es mir geht ist folgendes:

Stell dir vor, du hast Urlaub.

Vier Wochen.

Das ist nicht nur ein guter Anfang, das macht auch das Rechnen leicht.

Stell dir vor, du fühlst dich wohl, in dieser Zeit.
Erlebst unbekümmerte Tage, tust, was dir Spaß macht, musst kaum oder bestenfalls keinen Verpflichtungen nachkommen.

Rein mathematisch ist nach zwei Wochen die Hälfte der Zeit vorbei. Das Dilemma zu diesem Zeitpunkt ist jedoch: die verbleibende Zeit ist kürzer als die zurück liegende. Relativ gesehen. Ist also empfunden gar keine Hälfte mehr. Und das letzte Viertel erst – noch viel kürzer als alle voran gegangenen! Jeder Wochentag wird nur noch einmal erlebt, ist plötzlich der letzte seiner Art im Urlaub. Dir wird klar: das Ende rückt näher. Unaufhaltsam.

Kein schöner Gedanke!

Man hat sich gerade so langsam an das Lotterleben gewöhnt, da soll es das auch schon wieder gewesen sein. Vor allem aber, so absehbar. Unabwendbar. Du kannst nichts dagegen tun. Spürst diese Hilflosigkeit. Es ist, als fährst du auf eine Wand zu – ohne Bremse, ohne eine Möglichkeit, auszusteigen oder abzuspringen. Grausam. Brutal. Aber so richtig …

Die sich ableitende Frage kann also nur sein: würde eine nicht lineare Maßeinheit für die Zeit die Situation erträglicher machen? Ich nenne die Messgröße einfach mal eine Weile, um keine Gedanken an ein neues Kunstwort zu verschwenden. Eine Weile, die keine rationale Dauer ist, sondern eine emotionale. Wann wäre dann die Hälfte des Urlaubs erreicht? Liegt eine halbe Weile im konkreten Fall vor oder nach dem Ende der zweiten Woche? Logisch gesehen müsste es davor sein, vielleicht schon nach Ablauf der ersten Woche? Aber was gewinnt man damit? Nicht, dass die schönste Zeit des Jahres dadurch noch mehr schrumpft.
Doch besser alles lassen, wie es ist? Oder nur noch Kurzurlaube machen? Ich meine – vier Wochen, das ist eine lange Zeit, wenn dich letzten Endes solche Gedanken paralysieren.
Oder macht man es wie Einstein? Sucht sich sein Mädchen. Und seinen Ofen. Setzt sich hin, schaut auf die Uhr, und klopft am Ende weise Sprüche?
Schwierig, schwierig – zumindest relativ …

Inszeniertes Leben

Neulich, auf Formentera. In der Pelayo Bar. Sitze des Sonntags mit Frau, Sohn und zwei jüngeren Damen auf einer der Holzbänke, die nicht im Schatten stehen. Dort, wo das Meer nur einen schlappen Steinwurf weit entfernt ist. Blauer Himmel, leichtes Lüftchen. An sich viel zu heiß für einen Platz in der Sonne. Die Paella? Noch köchelnd. Also: transpirieren und quatschen.

Irgendwie entwickelt sich das Gespräch, was als nächstes ansteht. Für die beiden Mädels steht fest – eine Fahrt mit dem Schlauchboot ist traditionell noch zu bewerkstelligen. Immer diese Zwänge. Aber ist ja egal, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und ein Termin bereits gemacht, die Route steht ohnehin fest. So wie immer. Von der Lagune aus zunächst gen Westen, zur Cala Sahona, ein wenig schwimmen und sonnen, anschließend zurück, am Ausgangspunkt vorbei, rüber nach Espalmador, dort das Ganze noch einmal, vielleicht auch trotz Verbot eine Runde im Schlamm suhlen und auf dem Rückweg am Tiburon haltmachen. Sohnemann ist ganz begeistert. Will auch mit. So weit, so gut. Soll er machen, darf sich dafür auch an den knapp 200 Euro Leihgebühr beteiligen. Auch kein Problem. Ist ja mittlerweile sein selbst verdientes Geld. Und er soll nicht vergessen, sich ein ordentliches T-Shirt einzustecken, ansonsten wird das möglicherweise nichts mit einem Besuch der Haifischbar, am anderen Ende der Insel. Ist ja schließlich nicht so eine Gammelbude wie Pelayo. Da achtet man schon drauf, wer dort sein Geld lassen darf. Was für mich bereits ein Grund wäre, dort nicht vorstellig zu werden, bereitet dem Nachwuchs kein Kopfzerbrechen. Immerhin besteht die Aussicht, an der Seite der Geissens seinen Becher leeren zu dürfen.

Aha, die Geissens.

Welch Bildungslücke. Muss man die jetzt kennen? Ich meine, unsere Tischnachbarn wissen ja auch nicht, das Pruedi and the family nebenan sitzen. Aber es ist ja auch nicht von Pruedi con familia die Rede, sondern von den Geissens.

Kenne sie trotzdem nicht und ein Groschen denkt ebenso wenig auch nur ansatzweise daran, zu fallen. Da reist man schon seit etlichen Jahren nach Formentera und kennt die Geissens nicht. Verdammt. Ertappt. Geht ja eigentlich gar nicht. Kann ich mal wieder nicht mitreden. Wobei – nach dem, was ich zu hören bekomme, habe ich auch gar nicht das Gefühl, dass mir da was entgeht. Trotzdem, diese Unkenntnis, sie wurmt. Schließlich ist es nicht so, dass ich nur behaupte, diese Geissens nicht zu kennen, ich kenne sie tatsächlich nicht. Entsprechend beschließe ich bei nächster oder übernächster Gelegenheit, diesen Missstand zu beseitigen. Nicht, dass da nachher jemand etwas wie Besenkammer äußert, alles lacht, nur mir erschließt sich der Gag nicht, bloß weil mir eine Assoziation fehlt.

Google lässt mich einmal mehr nicht länger dumm sterben. Einer der ersten Treffer der Suchanfrage liefert den Link auf die eigene Webseite. Also nicht auf meine, sondern auf die der Gesuchten.

Die Geissens, eine schrecklich glamouröse Familie.

Gut, schauderhafte Geschichten aus der Glitzerwelt – darauf kann ich verzichten. Die Übersicht der weiteren Treffer in der Ergebnisliste offenbart weitere Details: RTL2 Realityshow, Selfmademillionär, rheinische Frohnatur – zumindest vor der Kamera. Daneben ein paar Schlammschlachten, die am besten quotenwirksam vermarktet werden. Ist das nicht herrlich? Inszeniertes Leben also, sowie die dazugehörige Imagepflege, um den Rubel am Rollen zu halten. Muss man ja schließlich wissen, was bei Millionärs so abgeht. Fällt bei mir in die gleiche Schublade wie Dschungelcamp oder sich im Wohncontainer zum Affen zu machen oder was es da noch alles gibt, womit man Quoten und Werbeeinnahmen generieren kann. Peinlich, ekelig, abartig, ungerecht – das ist es, was zieht, was Gesprächsstoff liefert. Muss man sich nicht in Geschichten über Gebrechen überbieten, sich mit Gedanken über die eigene Existenz belasten oder gar mit aktuellen Geschehnissen des wirklichen Lebens auseinandersetzen.

Zufrieden mit meiner Recherche lehne ich mich zurück. Weiß jetzt zumindest, von wem die Rede war und dass ich mir keinen Kopf darüber zerbrechen muss, auch weiterhin nicht mit qualifizierten Kommentaren glänzen zu können. Was geht es mich an, ob Schwerreiche zwölflagiges, von Hand verziertes Klopapier verwenden, der Angestellte an der VIP Kasse im Aldi sich den Namen seiner Prominenz nicht merken kann oder die Boulevardpresse es versäumt darüber zu berichten, dass man beim Opernball in den Klamotten aufläuft, in denen man im Jahr zuvor die Veranstaltung verließ. Skandalös, skandalös. Wo kämen wir nur hin, wenn jeder so eine Einstellung hätte wie ich?

Möglicherweise säßen dann Menschen wie diese Geissens neben mir, in der Sonne, beim Pelayo, würden geduldig neben mir vor sich hin schwitzen, wortkarg beim Warten auf ihre Paella den Blick über das Meer genießen und es wäre mir nicht minder gleichgültig.